Sieben Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz sollen ab 2027 als Regiokliniken weitergeführt werden. Eine Regioklinik hat grundsätzlich keine Notaufnahme. Für die Bevölkerung verlängert sich damit der Weg zur Notfallversorgung. Für den Rettungsdienst verlängert sich jede Fahrt mit einem Patienten, der eine Notaufnahme braucht. Wir haben für das gesamte Land gerechnet, wie groß dieser Effekt ist. Landesweit ändert sich der Mittelwert nur um Sekunden. In fünf Kreisen und Städten verlieren jedoch mehr als 70.000 Menschen zehn Minuten und mehr.
Sieben Regiokliniken im Verfahren, wovon drei schon heute keine Notaufnahme haben
Laut dem Zwischenstand des Beteiligungsverfahrens vom 1. September 2026 sind sieben Kliniken für die Umwandlung vorgesehen:
- Hermeskeil
- Bingen
- Boppard
- Kirn
- Bernkastel-Kues
- Bad Dürkheim
- Frankenthal
Drei davon, Hermeskeil, Kirn und Bernkastel-Kues, haben laut Bundes-Klinik-Atlas bereits heute keine Notfallstufe mehr. Die Veränderung ist an diesen Orten also schon Realität. Vier weitere Notaufnahmen fallen ab 2027 weg.
Wer im Land eine Notaufnahme betreibt, steht in keiner Landesliste. Das Land selbst führt kein Verzeichnis der Notaufnahmen. Wir nutzen deshalb die Notfallstufen des Gemeinsamen Bundesausschusses aus dem Bundes-Klinik-Atlas. Ein Standort mit Notfallstufe 1 bis 3 gilt dabei als Notaufnahme. Von 82 Klinikstandorten in Rheinland-Pfalz erfüllen heute 54 dieses Kriterium. Vor den ersten Umwandlungen waren es 57, nach der Reform werden es 50 sein.
Drei Betrachtungsszenarien
Wir haben das Land Rheinland-Pfalz in rund zwei Millionen 100-Meter-Rasterfelder eingeteilt und für jedes dieser Felder die Fahrzeit zum nächsten Krankenhaus mit Notaufnahme für die folgenden drei Szenarien berechnet:
- Vor Reform: 57 Standorte, die drei bereits umgewandelten Häuser zurückgerechnet.
- Heute: 54 Standorte laut Bundes-Klinik-Atlas vom 1. September 2026.
- Nach Reform: 50 Standorte ohne Bingen, Boppard, Bad Dürkheim und Frankenthal.

Dieselbe Rechenweise nutzen wir in Bedarfsplanungen für Träger — hier bei der Vorstellung einer Auswertung im eigenen Büro.
Erhebliche regionale Effekte
Im Landesmittel bewegt sich wenig. Die einwohnergewichtete mittlere Fahrzeit zur nächsten Notaufnahme lag vor der Reform bei 9,8 Minuten. Heute sind es 10,0 Minuten, nach der Reform 10,8 Minuten. Der Anteil der Bevölkerung, der länger als 30 Minuten bis zur nächsten Notaufnahme braucht, steigt von 0,8 auf 1,0 Prozent.
Wer nur diese Zahlen liest, könnte die Reform für den Rettungsdienst als Randthema abtun. Die Karte zeigt etwas anderes. Der Effekt konzentriert sich auf wenige Räume:
| Kreis oder Stadt | Verlängerung | Betroffene |
|---|---|---|
| Frankenthal (Pfalz) | 6,7 min | fast die ganze Stadt |
| Rhein-Hunsrück-Kreis | 3,7 min | 36.000 |
| Kreis Bad Dürkheim | 3,6 min | 56.000 |
| Kreis Mainz-Bingen | 3,0 min | 73.000 |
| Rhein-Pfalz-Kreis | 1,5 min | 40.000 |
Mittlere Verlängerung nach der Reform. „Betroffene" sind Einwohner mit mehr als einer halben Minute Verlängerung.
Landesweit verlängert sich der Weg zur Notaufnahme für rund 282.000 Menschen spürbar. Für rund 73.000 Menschen wächst er um mehr als zehn Minuten, für rund 35.000 Menschen um mehr als 15 Minuten. Die drei bereits erfolgten Umwandlungen haben in Bernkastel-Wittlich, Trier-Saarburg und Bad Kreuznach zusammen weitere rund 100.000 Menschen betroffen. Im Kreismittel liegt die Verlängerung dort zwischen 1,8 und 3,7 Minuten.


