Aktualisiert am 19. Oktober 2026: Nach einem Hinweis aus dem Landkreis Altenkirchen haben wir alle Notaufnahmen der Berechnung mit dem aktuellen Stand abgeglichen. Altenkirchen und einige Standorte in den Nachbarländern führt der Bundes-Klinik-Atlas noch mit Notfallstufe, obwohl dort keine allgemeine Notaufnahme mehr besteht. In Boppard ist die Notaufnahme seit Juli 2026 geschlossen. Karte und Zahlen sind entsprechend neu gerechnet.
Sieben Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz sollen ab 2027 als Regiokliniken weitergeführt werden. Eine Regioklinik hat grundsätzlich keine Notaufnahme. Für die Bevölkerung verlängert sich damit der Weg zur Notfallversorgung. Für den Rettungsdienst verlängert sich jede Fahrt mit einem Patienten, der eine Notaufnahme braucht. Wir haben für das gesamte Land gerechnet, wie groß dieser Effekt ist. Landesweit steigt der Median nur um eine Minute. In vier Kreisen und Städten verlieren jedoch fast 60.000 Menschen zehn Minuten und mehr.
Sieben Regiokliniken im Verfahren, wovon vier schon heute keine Notaufnahme haben
Laut dem Zwischenstand des Beteiligungsverfahrens vom 1. September 2026 sind sieben Kliniken für die Umwandlung vorgesehen:
- Hermeskeil
- Bingen
- Boppard
- Kirn
- Bernkastel-Kues
- Bad Dürkheim
- Frankenthal
Drei davon, Hermeskeil, Kirn und Bernkastel-Kues, haben laut Bundes-Klinik-Atlas bereits heute keine Notfallstufe mehr. In Boppard hat der Träger die Zentrale Notaufnahme zum Juli 2026 geschlossen. Die Veränderung ist an diesen vier Orten also schon Realität. Drei weitere Notaufnahmen fallen ab 2027 weg.
Wer im Land eine Notaufnahme betreibt, steht in keiner Landesliste. Das Land selbst führt kein Verzeichnis der Notaufnahmen. Wir nutzen deshalb die Notfallstufen des Gemeinsamen Bundesausschusses aus dem Bundes-Klinik-Atlas. Ein Standort mit Notfallstufe 1 bis 3 gilt dabei als Notaufnahme. Jeden dieser Standorte haben wir mit dem aktuellen Stand abgeglichen. Häuser, deren Notaufnahme geschlossen ist, etwa Altenkirchen seit August 2024, sowie reine Fach- und Kinderkliniken zählen wir nicht. Von 82 Klinikstandorten in Rheinland-Pfalz erfüllen heute 51 dieses Kriterium. Vor den ersten Umwandlungen waren es 55, nach der Reform werden es 48 sein.
Drei Betrachtungsszenarien
Wir haben das Land Rheinland-Pfalz in rund zwei Millionen 100-Meter-Rasterfelder eingeteilt und für jedes dieser Felder die Fahrzeit zum nächsten Krankenhaus mit Notaufnahme für die folgenden drei Szenarien berechnet:
- Vor Reform: 55 Standorte, die vier bereits umgewandelten Häuser zurückgerechnet.
- Heute: 51 Standorte laut Bundes-Klinik-Atlas vom 1. September 2026, abgeglichen mit dem Stand Oktober 2026.
- Nach Reform: 48 Standorte ohne Bingen, Bad Dürkheim und Frankenthal.

Dieselbe Rechenweise nutzen wir in Bedarfsplanungen für Träger — hier bei der Vorstellung einer Auswertung im eigenen Büro.
Erhebliche regionale Effekte
Landesweit bewegt sich wenig. Der Median der Fahrzeit zur nächsten Notaufnahme, gewichtet nach Einwohnern, steigt von 9,8 Minuten vor der Reform über 10,0 Minuten heute auf 10,8 Minuten nach der Reform. Der Anteil der Bevölkerung, der länger als 30 Minuten bis zur nächsten Notaufnahme braucht, steigt von 0,7 auf 0,9 Prozent.
Wer nur diese Zahlen liest, könnte die Reform für den Rettungsdienst als Randthema abtun. Die Karte zeigt etwas anderes. Der Effekt konzentriert sich auf wenige Räume:
| Kreis oder Stadt | Verlängerung | Betroffene |
|---|---|---|
| Frankenthal (Pfalz) | 6,7 min | fast die ganze Stadt |
| Kreis Bad Dürkheim | 3,6 min | 56.000 |
| Kreis Mainz-Bingen | 3,0 min | 72.000 |
| Rhein-Pfalz-Kreis | 1,5 min | 40.000 |
Mittlere Verlängerung nach der Reform. „Betroffene" sind Einwohner mit mehr als einer halben Minute Verlängerung.
Landesweit verlängert sich der Weg zur Notaufnahme für rund 243.000 Menschen spürbar. Für rund 58.000 Menschen wächst er um mehr als zehn Minuten, für rund 23.000 Menschen um mehr als 15 Minuten. Die vier bereits erfolgten Umwandlungen haben in Bernkastel-Wittlich, Trier-Saarburg, Bad Kreuznach und dem Rhein-Hunsrück-Kreis zusammen weitere rund 140.000 Menschen betroffen. Im Kreismittel liegt die Verlängerung dort zwischen 1,8 und 3,7 Minuten.



