Rettungsdienst

Krankenhausreform Rheinland-Pfalz: Was Regiokliniken für den Rettungsdienst bedeuten

7. September 2026 · Rettungsdienst · 4 Min. Lesezeit

Liegendanfahrt eines Krankenhauses. Über der Zufahrt hängt ein beleuchtetes Schild mit der Aufschrift „Erste Hilfe – Notaufnahme", darunter stehen zwei Rettungswagen der Feuerwehr unter dem Vordach.

Sieben Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz sollen ab 2027 als Regiokliniken weitergeführt werden. Eine Regioklinik hat grundsätzlich keine Notaufnahme. Für die Bevölkerung verlängert sich damit der Weg zur Notfallversorgung. Für den Rettungsdienst verlängert sich jede Fahrt mit einem Patienten, der eine Notaufnahme braucht. Wir haben für das gesamte Land gerechnet, wie groß dieser Effekt ist. Landesweit ändert sich der Mittelwert nur um Sekunden. In fünf Kreisen und Städten verlieren jedoch mehr als 70.000 Menschen zehn Minuten und mehr. Und jede dieser Minuten fährt der Rettungsdienst mit.

Sieben Regiokliniken, drei davon ohne Notaufnahme schon heute

Laut dem Zwischenstand des Beteiligungsverfahrens vom 1. September 2026 sind sieben Standorte für die Umwandlung vorgesehen:

  • Hermeskeil
  • Bingen
  • Boppard
  • Kirn
  • Bernkastel-Kues
  • Bad Dürkheim
  • Frankenthal

Drei davon, Hermeskeil, Kirn und Bernkastel-Kues, haben laut Bundes-Klinik-Atlas bereits heute keine Notfallstufe mehr. Die Veränderung ist an diesen Orten also schon Realität. Vier weitere Notaufnahmen kommen ab 2027 hinzu.

Wer im Land eine Notaufnahme betreibt, steht in keiner Landesliste. Das Land selbst führt kein Verzeichnis der Notaufnahmen. Wir nutzen deshalb die Notfallstufen des Gemeinsamen Bundesausschusses aus dem Bundes-Klinik-Atlas. Ein Standort mit Notfallstufe 1 bis 3 gilt dabei als Notaufnahme. Von 82 Klinikstandorten in Rheinland-Pfalz erfüllen heute 54 dieses Kriterium. Vor den ersten Umwandlungen waren es 57, nach der Reform werden es 50 sein.

Drei Szenarien, ein Rechenweg

Wir haben für jede der rund zwei Millionen 100-Meter-Raster des Landes die Fahrzeit zum nächsten Krankenhaus mit Notaufnahme berechnet, für drei Zeitpunkte:

  1. Vor Reform: 57 Standorte, die drei bereits umgewandelten Häuser zurückgerechnet.
  2. Heute: 54 Standorte laut Bundes-Klinik-Atlas vom 1. September 2026.
  3. Nach Reform: 50 Standorte ohne Bingen, Boppard, Bad Dürkheim und Frankenthal.
Niclas Fürst stellt im Besprechungsraum eine Erreichbarkeitsanalyse vor. Auf dem Bildschirm hinter ihm liegt eine Karte mit farbig abgestuften Fahrzeitflächen über dem Straßennetz, daneben ein Diagramm mit der Ziellinie 95 Prozent.

Dieselbe Rechenweise nutzen wir in Bedarfsplanungen für Träger — hier bei der Vorstellung einer Auswertung im eigenen Büro.

Landesweit unauffällig, regional erheblich

Im Landesmittel bewegt sich wenig. Die einwohnergewichtete mittlere Fahrzeit zur nächsten Notaufnahme lag vor der Reform bei 9,8 Minuten. Heute sind es 10,0 Minuten, nach der Reform 10,8 Minuten. Der Anteil der Bevölkerung, der länger als 30 Minuten bis zur nächsten Notaufnahme braucht, steigt von 0,8 auf 1,0 Prozent.

Wer nur diese Zahlen liest, könnte die Reform für den Rettungsdienst als Randthema abtun. Die Karte zeigt etwas anderes. Der Effekt konzentriert sich auf wenige Räume:

Kreis oder StadtVerlängerungBetroffene
Frankenthal (Pfalz)6,7 minfast die ganze Stadt
Rhein-Hunsrück-Kreis3,7 min36.000
Kreis Bad Dürkheim3,6 min56.000
Kreis Mainz-Bingen3,0 min73.000
Rhein-Pfalz-Kreis1,5 min40.000

Mittlere Verlängerung nach der Reform. „Betroffene" sind Einwohner mit mehr als einer halben Minute Verlängerung.

Landesweit verlängert sich der Weg zur Notaufnahme für rund 282.000 Menschen spürbar. Für rund 73.000 Menschen wächst er um mehr als zehn Minuten, für rund 35.000 Menschen um mehr als 15 Minuten. Die drei bereits erfolgten Umwandlungen haben in Bernkastel-Wittlich, Trier-Saarburg und Bad Kreuznach zusammen weitere rund 100.000 Menschen betroffen. Im Kreismittel liegt die Verlängerung dort zwischen 1,8 und 3,7 Minuten.

Eigene Berechnung · 100-Meter-Raster

Die Karte zum Nachschlagen

Links das ganze Land, rechts der gewählte Kreis in seinem eigenen Umriss. Fahren Sie über die Landeskarte, um zu wechseln, und klicken Sie einen Kreis an, um ihn festzuhalten. „Vergleich“ legt den Zustand vor und nach der Reform übereinander — die Trennkante lässt sich am Knopf direkt in der Karte verschieben oder mit dem Regler darüber.

Fahrzeit zur Notaufnahme
10,8Minuten

im Landesmittel nach der Reform, vorher 9,8

Spürbar betroffen
72.877Menschen

verlieren über zehn Minuten, 35.210 davon über fünfzehn

Standorte mit Notaufnahme
50Kliniken

von zuvor 57, drei Umwandlungen sind erfolgt

Karte zeigt
Szenario
AhrweilerAltenkirchen (Westerwald)Alzey-WormsBad DürkheimBad KreuznachBernkastel-WittlichBirkenfeldCochem-ZellDonnersbergkreisEifelkreis Bitburg-PrümFrankenthal (Pfalz)GermersheimKaiserslauternKaiserslauternKoblenzKuselLandau in der PfalzLudwigshafen am RheinMainzMainz-BingenMayen-KoblenzNeustadt an der WeinstraßeNeuwiedPirmasensRhein-Hunsrück-KreisRhein-Lahn-KreisRhein-Pfalz-KreisSpeyerSüdliche WeinstraßeSüdwestpfalzTrierTrier-SaarburgVulkaneifelWesterwaldkreisWormsZweibrücken 1 Bingen 2 Boppard 3 Bad Dürkheim 4 Frankenthal 5 Hermeskeil 6 Kirn 7 Bernkastel-Kues
  • keine
  • bis 2
  • 2 – 5
  • 5 – 10
  • 10 – 15
  • ab 15
  • Minuten länger
  • 1–4 geplante Schließung
  • 5–7 bereits umgewandelt
  • Notaufnahme
  • Notaufnahme im Nachbarland
  • Rhein
  • Punktgröße = Notfallstufe 1 bis 3
Übersicht gröber aufgelöst, je Bildzelle die höchste vorkommende Klasse. Punktgröße nach Notfallstufe des Gemeinsamen Bundesausschusses.

  • keine
  • bis 2
  • 2 – 5
  • 5 – 10
  • 10 – 15
  • ab 15
  • Minuten länger
  • geplante Schließung
  • bereits umgewandelt
  • Notaufnahme

Zeiger über die Karte bewegen auf dem Telefon antippen

Betroffene Kreise

Zeile anklicken — die Karte oben wechselt mit.

Mittelwerte je Kreis, einwohnergewichtet, für alle sieben Umwandlungen zusammen. Balkenlänge im Verhältnis zum höchsten Wert.

Datengrundlagen. 100-m-GeoGitter © GeoBasis-DE / BKG 2025, dl-de/by-2-0 · Verwaltungsgrenzen © BKG 2025, CC BY 4.0 · Einwohner: Zensus · Klinikstandorte und Notfallstufen nach dem Bundes-Klinik-Atlas des Gemeinsamen Bundesausschusses, Stand 1. September 2026 · Daten geändert. Berechnung und Darstellung: antwortING Beratende Ingenieure PartGmbB, Köln, Stand 7. September 2026.

Warum das ein Thema des Rettungsdienstes ist

Der Weg zur Notaufnahme ist für den Rettungsdienst keine Randgröße, sondern ein Teil jeder Einsatzdauer mit Transport. Die Wirkungskette lautet:

  1. Längere Transportfahrt. Jede Minute mehr bis zur Klinik verlängert den Einsatz. Dazu kommt die Rückfahrt in den eigenen Wachbereich, die genauso länger wird.
  2. Längere Bindung der Fahrzeuge. Ein Rettungswagen, der pro Transport zwanzig Minuten länger unterwegs ist, steht für den nächsten Notfall zwanzig Minuten später bereit.
  3. Schlechtere Verfügbarkeit im Wachbereich. Fahrzeuge halten sich häufiger weit außerhalb ihres Gebiets auf. Der nächste Einsatz im Heimatgebiet wird dann von weiter weg bedient. Die Eintreffzeit steigt.
  4. Druck auf die Vorhaltung. Gleiche Einsatzzahl bei längerer Einsatzdauer bedeutet mehr benötigte Fahrzeugstunden. Wer die Hilfsfrist halten will, braucht mehr Vorhaltung oder andere Standorte.
  5. Verschobene Patientenströme. Einsätze, die bisher nach Frankenthal oder Boppard führten, landen künftig in den Nachbarkliniken. Das betrifft deren Notaufnahmen ebenso wie die Rettungswagen, die dort Übergabezeiten in Kauf nehmen.

Diese Kette ist nicht neu. Neu ist, dass sie sich jetzt für konkrete Gebiete in Minuten und Einwohnern beziffern lässt, bevor die Entscheidung über die Regiokliniken fällt.

Was Rettungsdienstträger jetzt tun können

Das Beteiligungsverfahren zur Krankenhausplanung läuft. Wer als Träger Stellung nimmt, ist mit Zahlen besser aufgestellt als mit einer allgemeinen Sorge. Drei Schritte halten wir für sinnvoll:

  1. Die eigene Betroffenheit aus den Einsatzdaten ermitteln. Unsere Landeskarte zeigt Zellen und Einwohner. Der Träger kennt seine Einsätze mit Einsatzort und Zielklinik. Aus beiden zusammen ergibt sich, wie viele Transporte pro Jahr, Wache und Tageszeit künftig länger dauern und um wie viele Minuten. Ebenso zeigt sich, welche Kliniken die Patienten künftig aufnehmen. Kliniken in Nachbarländern nehmen wir dabei mit auf.
  2. Die Folgen für Vorhaltung und Hilfsfrist durchrechnen. Die zusätzlichen Minuten je Transport gehen als längere Einsatzdauer in die Rettungsmittel-Bemessung ein. Daraus folgt, wie viele Fahrzeugstunden zusätzlich nötig sind, damit die Verfügbarkeit gleich bleibt. Parallel zeigt die Fahrzeitsimulation, wie sich der Erreichungsgrad der Hilfsfrist verändert, wenn Fahrzeuge häufiger außerhalb ihres Gebiets gebunden sind. Beides zusammen ist die Grundlage für das Gespräch mit den Kostenträgern.
  3. Standortalternativen prüfen. Wo die Verluste groß sind, kann ein zusätzlicher Standort, eine Verlegung oder ein temporärer Standort in Randlage einen Teil ausgleichen. Solche Varianten lassen sich mit denselben Netz- und Einsatzdaten vergleichen, bevor über Investitionen entschieden wird.

Die Reform kommt. Ob sie den Rettungsdienst unvorbereitet trifft, entscheidet sich in den nächsten Monaten.

Wie stark ist Ihr Rettungsdienstbereich betroffen?

Wir rechnen Ihre konkrete Betroffenheit aus eigenen Einsatzdaten, von der Fahrzeitverlängerung bis zur Wirkung auf Hilfsfrist und Vorhaltung. In einer kostenlosen Erstberatung ordnen wir Ihre Ausgangslage ein.

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