Wenn es im Wald brennt, ist der nächste Hydrant oft Kilometer entfernt. Dann pendeln Tanklöschfahrzeuge (TLF) zwischen Entnahmestelle und Einsatzstelle. Wie viele es sein müssen, beantworten viele Planungen mit Erfahrung. Es geht genauer. Der Löschwasserbedarf eines Planungsszenarios gibt die erforderliche Förderleistung vor. Strecke, Geschwindigkeit, Übergabe- und Rüstzeiten ergeben die Umlaufzeit. Beides zusammen liefert die Fahrzeuganzahl. Wir legen hier den Rechenweg aus einem Wald- und Vegetationsbrandkonzept offen, mit jeder Annahme. Rechnen Sie ihn mit eigenen Zahlen nach.
Zur Einordnung
Dieser Beitrag basiert auf einem Wald- und Vegetationsbrandkonzept, das wir für einen Landkreis erstellt haben. Angaben zu Details und lokalen Spezifika haben wir unkenntlich gemacht.
Das Wasser ist dort, wo die Brände nicht sind
Das Hydrantennetz folgt der Bebauung. Löschwasserentnahmestellen liegen deshalb in den Siedlungen und an ihrem Rand. Ein hohes Vegetationsbrandrisiko besteht laut Risikoanalyse auch dort, auf Flächen mit flacher Vegetation am Siedlungsrand. Löschwasserkritisch sind andere Flächen. Hohe, dichte Vegetation in der entfernten Peripherie wächst weitab vom nächsten Hydranten.
Für die Planung bleiben zwei Wege. Entweder transportieren wasserführende Fahrzeuge das Wasser im Pendelverkehr zur Einsatzstelle. Oder Pumpen und Schlauchleitungen fördern es über eine lange Wegstrecke. Das Konzept plant beides zeitlich gestaffelt. Der Pendelverkehr überbrückt die erste Phase. Nach 45 Minuten steht die ständige Löschwasserversorgung über die Förderstrecke.
Schritt 1: Der Bedarf kommt aus dem Szenario
Grundlage ist das Planungsszenario mit dem höheren Wasserbedarf. Es beschreibt einen Brand in einem schwer zugänglichen Wald- oder Vegetationsstück, nachzulesen in Teil 3 dieser Serie. Ein Szenario ist eine Kalkulationsgrundlage, kein Orakel. Reale Einsätze brauchen mehr oder weniger Wasser. Wir rechnen trotzdem. Nur so zeigt sich, ob Bestand und Alarmplanung den Bedarf decken.
Das Szenario setzt an, dass die ständige Löschwasserversorgung 45 Minuten nach den ersten Löschmaßnahmen steht. In diesem Fenster verbrauchen drei Maßnahmen Wasser:
- zwei Riegelstellungen in Form von Löschangriffen mit je 100 Metern Wirkbreite, Dauer 45 Minuten
- eine B-Kreisregnerstrecke als unbemannte Riegelstellung, Dauer 15 Minuten
Dahinter steht eine Bemessungsregel. Den Löschwasserbedarf je Vorgehensweise rechnet das Konzept für eine Zeitstunde, plus 10 Prozent Sicherheitsreserve. Auch das Wasser in den Schläuchen selbst zählt mit. So sieht die Bedarfsrechnung aus:
| Maßnahme | Durchfluss | Dauer | Wasserbedarf |
|---|---|---|---|
| Riegelstellung 1, Löschangriff | 45 Minuten | ||
| Riegelstellung 2, Löschangriff | 45 Minuten | ||
| B-Kreisregnerstrecke | 15 Minuten | ||
| Schlauchfüllmenge aller Aufbauten | – | – | |
| Sicherheitsreserve | + 10 % | – | |
| Erforderliche Leistungsfähigkeit des Pendelverkehrs | mind. 507 l/min | ||
Die Zwischenwerte des Auftraggebers zeigen wir hier nicht. Methode, Annahmen und Ergebnis stehen vollständig im Text.
Am Ende steht die Kennzahl, an der alles Weitere hängt. Der Pendelverkehr muss mindestens 507 Liter pro Minute (l/min) an die Einsatzstelle bringen.
Schritt 2: Die Umlaufzeit, offen gerechnet
Ein Pendelverkehr ist ein Kreislauf. Jedes Fahrzeug fährt zur Entnahmestelle, nimmt Wasser auf, fährt zurück und gibt ab. Wie lange ein Umlauf dauert, entscheidet über die Fahrzeuganzahl. Das Konzept legt jede Annahme offen:
- Einwegstrecke 4 Kilometer, als Gutachterannahme gesetzt
- mittlere Geschwindigkeit 30 km/h für große Einsatzfahrzeuge auf Wald- und Wirtschaftswegen sowie Landstraßen
- je 2,5 Minuten für Wasserabgabe und Wasseraufnahme
- 5 Minuten Gesamtrüstzeit
- eine Zeitreserve für An- und Abfahrt und für Kurven, in denen das Fahrzeug langsamer wird
Die 30 km/h wirken langsam. Für ein beladenes TLF auf Wirtschaftswegen sind sie realistisch. Wer hier optimistisch rechnet, plant zu wenige Fahrzeuge. Daraus ergibt sich dieser Rechenweg:
| Rechenschritt | Ansatz | Zeit |
|---|---|---|
| Fahrt zur Entnahmestelle | 4 km bei 30 km/h | 8,0 min |
| Wasseraufnahme | Pauschale | 2,5 min |
| Rückfahrt zur Einsatzstelle | 4 km bei 30 km/h | 8,0 min |
| Wasserabgabe | Pauschale | 2,5 min |
| Gesamtrüstzeit | Pauschale | 5,0 min |
| Zeitreserve An-/Abfahrt, Kurvenfahrten | Differenz | 2,0 min |
| Umlaufzeit je Fahrzeug | 28 min | |
Diese Tabelle ist bewusst ungeschwärzt. Sie enthält keine Kundendaten, nur Annahmen und Arithmetik. Setzen Sie Ihre eigene Strecke und Ihre eigenen Übergabezeiten ein, und Sie haben Ihre Umlaufzeit.
Schritt 3: Leistung und Umlaufzeit ergeben die Fahrzeuganzahl
Jedes Fahrzeug liefert je Umlauf genau einen Tankinhalt. Bei einem TLF 2000 sind das 2.000 Liter alle 28 Minuten. Das entspricht einer Dauerleistung von rund 71 Litern pro Minute je Fahrzeug. Die geforderte Gesamtleistung geteilt durch diese Einzelleistung ergibt die Anzahl:
| Rechenschritt | Wert |
|---|---|
| Erforderliche Leistungsfähigkeit (Schritt 1) | mind. 507 l/min |
| Umlaufzeit je Fahrzeug (Schritt 2) | 28 min |
| Tankinhalt je Fahrzeug und Umlauf | 2.000 l |
| Leistung je Fahrzeug (2.000 l ÷ 28 min) | rund 71,4 l/min |
| Rechnerische Fahrzeuganzahl (507 ÷ 71,4) | rund 7,1 Fahrzeuge |
| Ergebnis des Konzepts | mind. 7 Fahrzeuge mit 2.000 l Löschwasser |
Auch diese Tabelle ist vollständig offen. Das Konzept setzt mindestens sieben Tanklöschfahrzeuge mit 2.000 Litern Löschwasser an, zum Beispiel TLF 2000. Darin steckt ein Beschaffungshebel. Fahrzeuge mit größerem Tank liefern je Umlauf mehr Wasser und senken die nötige Anzahl. Wer über die nächste Fahrzeuggeneration entscheidet, sollte diese Rechnung kennen.
Ein Faltbehälter entkoppelt den Kreislauf
Sieben Fahrzeuge treffen nie im perfekten Takt ein. Damit die Wasserabgabe trotzdem gleichmäßig läuft, sieht das Konzept einen Faltbehälter als Puffer vor, mindestens 3.000 Liter. Die Fahrzeuge geben ihr Wasser in den Behälter ab und fahren sofort wieder los. Die Pumpe an der Einsatzstelle entnimmt kontinuierlich aus dem Puffer. Ankunftsschwankungen erreichen die Strahlrohre so gar nicht erst.
Die ständige Versorgung rechnen wir doppelt
Parallel zum Pendelverkehr bauen die Einsatzkräfte die ständige Löschwasserversorgung auf, über eine Wegstrecke von mindestens einem Kilometer. Gefordert ist eine Mindestleistung von 1.000 l/min. Das ist das Doppelte dessen, was der Pendelverkehr im Szenario leisten muss. Fällt eine Strecke aus oder platzt ein Schlauch, bricht die Versorgung nicht zusammen.
Die Bemessung rechnet mit B-Druckschläuchen von 20 Metern Länge. Eine Annahme darin gehört offen benannt. Die Wegstrecke muss keine Höhenunterschiede überbrücken. Wer in bewegtem Gelände plant, rechnet die Pumpenabstände neu.
Eine so gerechnete Strecke leistet 500 l/min. Für die geforderten 1.000 l/min verdoppelt das Konzept alle Gerätebedarfe. Das Ergebnis sind mindestens 4 Pumpen und 120 B-Druckschläuche. Dazu kommt die Praxis im Gelände. Schläuche liegen nie auf der Luftlinie. Das Konzept kalkuliert bei jedem Aufbau einen Kurvenpuffer ein.
Von der Bemessung zur einzelnen Fläche
Der Rechenweg oben bemisst das Planungsszenario. Er arbeitet mit gesetzten Annahmen, einer Einwegstrecke von 4 Kilometern und 30 km/h im Mittel. Das liefert eine belastbare Größenordnung für die Vorhaltung im ganzen Kreis. Für eine einzelne Waldfläche gilt er so nicht.
Dafür rechnen wir feiner. Die Fahrzeiten kommen dann aus dem echten Straßen- und Wegenetz, ausgewertet in Rasterfeldern von 100 × 100 Metern. So erhält jeder Bereich seine eigene Umlaufzeit. Die Förderstrecke rechnen wir mit den tatsächlichen Leitungsgrößen statt mit einer pauschalen Streckenleistung. Nicht überschlägig, sondern je Rasterfeld. Am Ende steht kein Mittelwert für den Kreis, sondern ein Löschwasserbedarf für jedes Rasterfeld und jeden Risikobereich.
Der Aufwand lohnt, weil das Ergebnis dann anschlussfähig ist. Ein Bedarf je Rasterfeld geht ohne Zwischenschritt in vier Planungen ein:
- Beschaffung. Welches Rasterfeld wie viel Tankvolumen und welche Gerätetechnik braucht, ergibt eine Prioritätenliste statt einer Wunschliste.
- Alarm- und Ausrückeordnung. Die Erstalarmierung kann je Bereich das dort gerechnete Wasser mitalarmieren und nicht einen Kreisdurchschnitt.
- Überörtliche Planung. Wo der eigene Bestand die gerechnete Förderleistung nicht trägt, ist der Bedarf an Nachbarschaftshilfe belegt und nicht behauptet.
- Einsatzkonzepte. Für Flächen mit hohem Risikowert lassen sich Ankerpunkte, Entnahmestellen und Pendelstrecken vorab festlegen.
Wassersparen ist Taktik
Jeder eingesparte Liter senkt die geforderte Förderleistung und damit die Fahrzeuganzahl. Das Konzept setzt deshalb am Strahlrohr die niedrigste mögliche Durchflussmenge an. D-Schläuche haben hier zwei Vorteile. Sie verbrauchen weniger Wasser. Und ihr geringes Gewicht zählt, wenn Trupps die Leitungen hunderte Meter durch Vegetation tragen.
Netzmittel lassen Löschwasser tiefer in den Untergrund eindringen und senken den Bedarf zusätzlich. Für geeignete Löschschäume gilt das ebenso. Die Umweltkriterien dafür folgen der Auskunft der unteren Wasserbehörde des Kreises. Zugelassen ist nur, was drei Kriterien erfüllt:
- Einstufung mindestens als bedingt umwelt- und gewässerverträglich
- vollständige oder sehr gute biologische Abbaubarkeit
- keine oder nur geringe Wassergefährdung
Die Zumischraten sind Teil der Freigabe. Ein für Vegetationsbrände geeignetes Schaummittel ist bei 1 Prozent Zumischrate uneingeschränkt einsetzbar. Ein geprüftes Netzmittelkonzentrat darf außerhalb von Wasserschutzgebieten mit maximal 0,3 Prozent zugemischt werden. Für Wasserschutzgebiete ist dieses Konzentrat nicht geeignet.
Ohne die Alarm- und Ausrückeordnung bleibt alles Papier
Der Rechenweg endet nicht mit der Fahrzeuganzahl. Er endet in der Alarm- und Ausrückeordnung (AAO). Das Konzept fordert, die errechneten Bedarfe von Anfang an mitzualarmieren. Für das Szenario heißt das mindestens sieben TLF 2000 oder vergleichbare Fahrzeuge, dazu die Gerätetechnik für 45 Minuten Pendelverkehr. Wer erst nachalarmiert, wenn das Wasser knapp wird, hat die 45 Minuten schon verloren, die der Rechenweg absichern soll.
Was sich übertragen lässt
Der Rechenweg funktioniert in jedem Kreis, nur die Zahlen sind eigene. Fünf Merksätze gelten überall:
- Bedarf aus dem Szenario ableiten, nicht aus dem Fuhrpark. Erst der Wasserbedarf, dann die Fahrzeugfrage. Umgekehrt wird aus Bestand Schönrechnerei.
- Die Umlaufzeit selbst rechnen. Fahrzeit plus Übergabezeiten plus Rüstzeit plus Kurvenreserve. Die mittlere Geschwindigkeit realistisch ansetzen, nicht optimistisch.
- Puffer einplanen. Ein Faltbehälter entkoppelt den Pendelverkehr von der Wasserabgabe und macht Schwankungen unschädlich.
- Redundanz explizit machen. Leistet eine Strecke die Hälfte der geforderten Leistung, dann verdoppeln und nicht diskutieren.
- Jedes Ergebnis in die AAO übersetzen. Ein gerechneter Bedarf, der nicht alarmiert wird, ist keiner.
Wie viele Fahrzeuge bräuchte Ihr Pendelverkehr?
Sie planen ein Vegetationsbrandkonzept oder wollen Ihre Löschwasserversorgung abseits der Siedlungsflächen belastbar rechnen? Wir legen jede Annahme offen, vom Szenario bis zur Alarm- und Ausrückeordnung.