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Krankenhausreform Schleswig-Holstein: Was der neue Krankenhausplan für den Rettungsdienst bedeutet

8. Oktober 2026 · Rettungsdienst · 7 Min. Lesezeit

Blick über das Wasser der Hörn im Kieler Hafen. Am Ufer stehen Bürogebäude, ein gläsernes Hochhaus und Baukräne. Rechts liegt eine große weiße Fähre am Anleger, dahinter ragt eine grüne Kirchturmspitze auf.

Schleswig-Holstein stellt seine Krankenhauslandschaft neu auf. Auf sechs Regionalkonferenzen hat das Gesundheitsministerium bis zum 6. Oktober 2026 vorgestellt, welche Klinik künftig welche Rolle übernehmen soll. Nach diesem Zwischenstand verlieren vier Standorte ihre Notaufnahme. Drei davon führt der Bundes-Klinik-Atlas heute mit Notfallstufe. Für die Bevölkerung verlängert sich damit der Weg zur Notfallversorgung. Für den Rettungsdienst verlängert sich jeder Transport in eine Notaufnahme. Wir haben für das gesamte Land gerechnet, wie groß dieser Effekt ist. Im Landesmittel ändert sich wenig. Im Süden des Kreises Herzogtum Lauenburg und auf Fehmarn wird der Weg jedoch für rund 38.000 Menschen um mehr als zehn Minuten länger. Auf Föhr entfällt die einzige Notaufnahme der Insel.

Vier Notaufnahmen im Verfahren, eine Insel ohne Straßenanschluss

Nach den Plänen, die das Ministerium auf den Regionalkonferenzen vorgestellt hat, verlieren diese Standorte ihre Notaufnahme:

  • Fehmarn, AMEOS Klinikum. Wird ab 2028 eine rein ambulante Einrichtung.
  • Wyk auf Föhr, Inselklinik Föhr-Amrum. Wird ab 2028 eine sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung.
  • Geesthacht, Krankenhaus Geesthacht. Wird eine sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung.
  • Helgoland, Paracelsus-Nordsee-Klinik. Wird eine sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung.

Auch Brunsbüttel und Kappeln sollen sektorenübergreifend werden. Beide haben laut Bundes-Klinik-Atlas schon heute keine Notfallstufe. An der Erreichbarkeit der Notaufnahmen ändert sich dort also nichts.

Wie in Rheinland-Pfalz führt das Land kein eigenes Verzeichnis der Notaufnahmen. Wir nutzen deshalb die Notfallstufen des Gemeinsamen Bundesausschusses aus dem Bundes-Klinik-Atlas. Ein Standort mit Notfallstufe 1 bis 3 gilt als Notaufnahme. In Schleswig-Holstein erfüllen heute 27 Standorte dieses Kriterium, nach der Reform werden es 24 sein. Helgoland führt der Bundes-Klinik-Atlas ohne Notfallstufe. Die Insel ist deshalb in beiden Zahlen nicht enthalten.

Die Pläne sind ein Zwischenstand. Die Kliniken können bis zum 31. Oktober 2026 Einwände und Qualitätsnachweise einreichen. Verbindlich weist das Land die Leistungsgruppen Ende Dezember 2026 zu. Der neue Krankenhausplan gilt ab 1. Januar 2027, für einzelne Häuser mit Übergangsfrist.

Zwei Betrachtungsszenarien

Wir haben Schleswig-Holstein in rund 1,6 Millionen 100-Meter-Rasterfelder eingeteilt und für jedes Feld die Fahrzeit zum nächsten Krankenhaus mit Notaufnahme berechnet. Dabei vergleichen wir zwei Szenarien:

  1. Heute: 27 Standorte laut Bundes-Klinik-Atlas vom 1. September 2026.
  2. Nach Reform: 24 Standorte ohne Fehmarn, Wyk auf Föhr und Geesthacht.

Kliniken in Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern bis 20 Kilometer hinter der Landesgrenze rechnen wir mit. Sie versorgen das Umland mit. Kliniken in Dänemark enthält der Bundes-Klinik-Atlas nicht.

Die Inseln ohne Straßenanbindung rechnen wir gesondert. Das sind Sylt, Föhr, Amrum, Pellworm, die Halligen und Helgoland. Auf Sylt und Föhr rechnen wir innerhalb der Insel zur eigenen Notaufnahme. Die übrigen Inseln haben schon heute keine. Von dort kommt ein Rettungswagen nicht über die Straße zur nächsten Notaufnahme. Der Weg führt per Schiff oder Hubschrauber. Eine Straßenfahrzeit bildet das nicht ab. Deshalb weisen wir diese Inseln getrennt aus.

Erhebliche regionale Effekte

Im Landesmittel bewegt sich wenig. Der einwohnergewichtete Median der Fahrzeit zur nächsten Notaufnahme liegt heute bei 10,7 Minuten, nach der Reform bei 11,1 Minuten. Der Anteil der Bevölkerung mit mehr als 30 Minuten bis zur nächsten Notaufnahme steigt von 1,7 auf 1,8 Prozent.

Der Effekt konzentriert sich auf zwei Räume und eine Insel:

KreisVerlängerungBetroffene
Herzogtum Lauenburg2,9 min70.000
Ostholstein1,4 min15.000
Nordfriesland (Föhr)Notaufnahme der Insel entfällt ab 20288.300

Mittlere Verlängerung nach der Reform, einwohnergewichtet über den ganzen Kreis. „Betroffene" sind Menschen mit mehr als einer halben Minute Verlängerung, auf Föhr alle Einwohnerinnen und Einwohner der Insel.

Landesweit verlängert sich der Weg zur Notaufnahme für rund 85.000 Menschen spürbar. Für rund 38.000 Menschen wächst er um mehr als zehn Minuten, für rund 13.000 Menschen um mehr als 15 Minuten.

  • Geesthacht. Für die rund 32.000 Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt liegt die nächste Notaufnahme künftig in Hamburg-Bergedorf. Der Weg wird im Mittel 11 Minuten länger. In Schwarzenbek sind es gut 7 Minuten. Auch dort war Geesthacht bisher das nächste Krankenhaus.
  • Fehmarn. Für die rund 13.000 Einwohnerinnen und Einwohner der Insel ist ab 2028 Oldenburg in Holstein das nächste Krankenhaus mit Notaufnahme. Der Weg wird im Mittel um 20 Minuten länger. In der Urlaubszeit sind deutlich mehr Menschen auf der Insel.
  • Föhr. Heute erreichen die gut 8.000 Einwohnerinnen und Einwohner die Notaufnahme in Wyk im Mittel in rund 6 Minuten. Ab 2028 gibt es auf der Insel keine Notaufnahme mehr. Das Ministerium hat eine Bereitschaft rund um die Uhr zugesagt. Patientinnen und Patienten werden dort stabilisiert und auf das Festland verlegt. Zusammen mit Amrum, Pellworm, den Halligen und Helgoland leben dann rund 13.000 Menschen auf Inseln ohne eigene Notaufnahme.

Und die Versorgungsstufen?

Die Reform ordnet die Kliniken neu in Basis-, Schwerpunkt- und Maximalversorger. Bei Schlaganfall, Herzinfarkt oder Schwerverletzten zählt für den Rettungsdienst nicht die nächste Klinik, sondern die geeignete. Wir haben deshalb zusätzlich gerechnet, wie weit es nach der Reform zum nächsten Schwerpunkt- oder Maximalversorger ist.

Das Ergebnis ist eindeutig. Künftige Maximalversorger sind das UKSH in Kiel und Lübeck sowie die Kliniken in Heide, Itzehoe, Rendsburg und Neumünster. Genau diese sechs Häuser haben schon heute die höchste Notfallstufe. Am Weg zur höchsten Versorgungsstufe ändert die Reform also nichts. Er ist aber in weiten Teilen des Landes lang. Im Landesmittel sind es 22 Minuten. Für 23 Prozent der Bevölkerung sind es mehr als 30 Minuten, für rund 280.000 Menschen mehr als 45 Minuten. Am weitesten ist es im Norden. Im Kreismittel sind es in Nordfriesland 49 Minuten, in Flensburg 47 Minuten und im Kreis Schleswig-Flensburg 41 Minuten.

Die Versorgungsstufen sind ein Zwischenstand der Regionalkonferenzen. Die Maximalversorger hat das Ministerium benannt. Für sieben Häuser hat es eine Rolle beschrieben, aber keine Versorgungsstufe genannt. Das sind die Sana Kliniken Lübeck, das Malteser Fördeklinikum in Flensburg (Knuthstraße), die Schön Klinik Neustadt, das Krankenhaus Reinbek, die Segeberger Kliniken und die Regio Kliniken in Pinneberg und Elmshorn. Diese sieben Häuser haben wir selbst als Schwerpunktversorger eingeordnet. Die Einordnung ist unsere eigene und kann sich mit den Bescheiden im Dezember ändern. Kliniken außerhalb Schleswig-Holsteins zählen nach ihrer Notfallstufe.

Eigene Berechnung · 100-Meter-Raster

Die Karte zum Nachschlagen

Suchen Sie Ihren Kreis auf der Landeskarte. Mit der Maus genügt Überfahren, ein Klick oder Antippen hält ihn fest. Die Kreiskarte zeigt ihn dann im 100-Meter-Raster. „Verlängerung“ zeigt, wie viele Minuten länger der Rettungswagen bis zur nächsten Notaufnahme fährt. „Vergleich“ legt heute und nach der Reform übereinander, die Trennkante verschieben Sie in der Karte oder am Regler. Unter „Fahrzeit“ steht auch der Weg zum nächsten Schwerpunkt- und Maximalversorger.

Fahrzeit zur Notaufnahme
11,1Minuten

Median im Land nach der Reform, vorher 10,7

Spürbar betroffen
37.664Menschen

verlieren über zehn Minuten, 12.946 davon über fünfzehn

Standorte mit Notaufnahme
24Kliniken

von heute 27

Karte zeigt
Szenario
DithmarschenFlensburgHerzogtum LauenburgKielLübeckNeumünsterNordfrieslandOstholsteinPinnebergPlönRendsburg-EckernfördeSchleswig-FlensburgSegebergSteinburgStormarn 1 Fehmarn 2 Wyk auf Föhr 3 Geesthacht 4 Helgoland 5 Brunsbüttel 6 Kappeln
  • Minuten länger
  • 1–3 Notaufnahme entfällt
  • 4–6 wird sektorenübergreifend
  • Notaufnahme
  • Notaufnahme im Nachbarland
  • Insel ohne Straßenanschluss, ohne passende Klinik
  • Punktgröße = Notfallstufe 1 bis 3

Schraffierte Inseln haben keinen Straßenanschluss, und im gewählten Szenario liegt dort keine passende Klinik: Weiter geht es nur per Schiff oder Hubschrauber, das bildet eine Straßenfahrzeit nicht ab. Nach der Reform (für Föhr ab 2028) leben 13.321 Menschen auf Inseln ohne eigene Notaufnahme.

Legendenfeld anklicken: nur diese Klasse bleibt farbig, ein zweiter Klick hebt es wieder auf. Übersicht gröber aufgelöst, je Bildzelle die höchste vorkommende Klasse. Punktgröße nach Notfallstufe des Gemeinsamen Bundesausschusses.

–

  • Minuten länger
  • Notaufnahme entfällt
  • wird sektorenübergreifend
  • Notaufnahme
  • Insel ohne passende Klinik

Zeiger über die Karte bewegen auf dem Telefon antippen

Betroffene Kreise

Zeile anklicken — die Karte oben wechselt mit.

Mittelwerte je Kreis, einwohnergewichtet. Föhr (Nordfriesland) wird gesondert ausgewiesen. Balkenlänge im Verhältnis zum höchsten Wert.

Datengrundlagen. 100-m-GeoGitter © GeoBasis-DE / BKG 2025, dl-de/by-2-0 · Verwaltungsgrenzen © BKG 2025, CC BY 4.0 · Einwohner: Zensus 2022 · Klinikstandorte und Notfallstufen nach dem Bundes-Klinik-Atlas des Gemeinsamen Bundesausschusses, Stand 1. September 2026 · Daten geändert · Straßennetz der Fahrzeitberechnung: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL, Stand 6./7. Oktober 2026 · Straßen, Flüsse und Orte zur Orientierung: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL, Stand 8. Oktober 2026 · Reformstand: Regionalkonferenzen des Ministeriums für Justiz und Gesundheit Schleswig-Holstein, 21. September bis 6. Oktober 2026, nach Berichten des NDR (7. Oktober 2026) und der Fachpresse. Berechnung und Darstellung: antwortING Beratende Ingenieure PartGmbB, Köln, Stand 7. Oktober 2026.

Warum das ein Thema des Rettungsdienstes ist

Der Weg zur Notaufnahme ist für den Rettungsdienst keine Randgröße, sondern ein Teil jeder Einsatzdauer mit Transport. Die Wirkungskette lautet:

  1. Längere Transportfahrt. Jede Minute mehr bis zur Klinik verlängert den Einsatz. Dazu kommt die Rückfahrt in den eigenen Wachbereich, die genauso länger wird.
  2. Längere Bindung der Fahrzeuge. Ein Rettungswagen, der pro Transport zwanzig Minuten länger unterwegs ist, steht für den nächsten Notfall zwanzig Minuten später bereit. Auf Fehmarn wird das ab 2028 die Regel.
  3. Schlechtere Verfügbarkeit im Wachbereich. Fahrzeuge halten sich häufiger außerhalb ihres Gebiets auf, aus Geesthacht künftig in Hamburg. Der nächste Einsatz im Heimatgebiet wird dann von weiter weg bedient. Die Eintreffzeit steigt.
  4. Druck auf die Vorhaltung. Gleiche Einsatzzahl bei längerer Einsatzdauer bedeutet mehr benötigte Fahrzeugstunden. Wer die Hilfsfrist halten will, braucht mehr Vorhaltung oder andere Standorte.
  5. Verschobene Patientenströme. Einsätze, die bisher nach Geesthacht oder auf Fehmarn führten, landen künftig in Bergedorf und Oldenburg. Das betrifft deren Notaufnahmen ebenso wie die Rettungswagen, die dort Übergabezeiten in Kauf nehmen. Bei Geesthacht kommt eine Landesgrenze dazu.
  6. Inseln. Wo die Notaufnahme der Insel wegfällt, wird aus einer kurzen Fahrt ein Transport per Schiff oder Hubschrauber. Er hängt vom Wetter ab und braucht eine eigene Vorhaltung.

Diese Kette ist nicht neu. Neu ist, dass sie sich jetzt für konkrete Gebiete in Minuten und betroffenen Menschen beziffern lässt, bevor die Bescheide im Dezember ergehen.

Was Rettungsdienstträger jetzt tun können

Die Kliniken können bis Ende Oktober Einwände einreichen. Die Kreise sind über die Regionalkonferenzen eingebunden. Wer als Träger Stellung nimmt, ist mit Zahlen besser aufgestellt als mit einer allgemeinen Sorge. Drei Schritte halten wir für sinnvoll:

  1. Die eigene Betroffenheit aus den Einsatzdaten ermitteln. Unsere Landeskarte zeigt Zellen und Einwohnerzahlen. Der Träger kennt seine Einsätze mit Einsatzort und Zielklinik. Aus beiden zusammen ergibt sich, wie viele Transporte pro Jahr, Wache und Tageszeit künftig länger dauern und um wie viele Minuten. Ebenso zeigt sich, welche Kliniken die Patientinnen und Patienten künftig aufnehmen, auch in Hamburg.
  2. Die Folgen für Vorhaltung und Hilfsfrist durchrechnen. Die zusätzlichen Minuten je Transport gehen als längere Einsatzdauer in die Rettungsmittel-Bemessung ein. Daraus folgt, wie viele Fahrzeugstunden zusätzlich nötig sind, damit die Verfügbarkeit gleich bleibt. Parallel zeigt die Fahrzeitsimulation, wie sich der Erreichungsgrad der Hilfsfrist verändert, wenn Fahrzeuge häufiger außerhalb ihres Gebiets gebunden sind.
  3. Standortalternativen prüfen. Wo die Verluste groß sind, kann ein zusätzlicher Standort, eine Verlegung oder ein temporärer Standort in Randlage einen Teil ausgleichen. Auf Fehmarn und Föhr stellt sich zudem die Frage nach Vorhaltung auf der Insel und nach Luftrettung.

Die Reform kommt. Ob sie den Rettungsdienst unvorbereitet trifft, entscheidet sich in den nächsten Monaten.

Wie stark ist Ihr Rettungsdienstbereich betroffen?

Wir rechnen Ihre konkrete Betroffenheit aus eigenen Einsatzdaten, von der Fahrzeitverlängerung bis zur Wirkung auf Hilfsfrist und Vorhaltung. In einer kostenlosen Erstberatung ordnen wir Ihre Ausgangslage ein.

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