Schleswig-Holstein stellt seine Krankenhauslandschaft neu auf. Auf sechs Regionalkonferenzen hat das Gesundheitsministerium bis zum 6. Oktober 2026 vorgestellt, welche Klinik künftig welche Rolle übernehmen soll. Nach diesem Zwischenstand verlieren vier Standorte ihre Notaufnahme. Drei davon führt der Bundes-Klinik-Atlas heute mit Notfallstufe. Für die Bevölkerung verlängert sich damit der Weg zur Notfallversorgung. Für den Rettungsdienst verlängert sich jeder Transport in eine Notaufnahme. Wir haben für das gesamte Land gerechnet, wie groß dieser Effekt ist. Im Landesmittel ändert sich wenig. Im Süden des Kreises Herzogtum Lauenburg und auf Fehmarn wird der Weg jedoch für rund 38.000 Menschen um mehr als zehn Minuten länger. Auf Föhr entfällt die einzige Notaufnahme der Insel.
Vier Notaufnahmen im Verfahren, eine Insel ohne Straßenanschluss
Nach den Plänen, die das Ministerium auf den Regionalkonferenzen vorgestellt hat, verlieren diese Standorte ihre Notaufnahme:
- Fehmarn, AMEOS Klinikum. Wird ab 2028 eine rein ambulante Einrichtung.
- Wyk auf Föhr, Inselklinik Föhr-Amrum. Wird ab 2028 eine sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung.
- Geesthacht, Krankenhaus Geesthacht. Wird eine sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung.
- Helgoland, Paracelsus-Nordsee-Klinik. Wird eine sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung.
Auch Brunsbüttel und Kappeln sollen sektorenübergreifend werden. Beide haben laut Bundes-Klinik-Atlas schon heute keine Notfallstufe. An der Erreichbarkeit der Notaufnahmen ändert sich dort also nichts.
Wie in Rheinland-Pfalz führt das Land kein eigenes Verzeichnis der Notaufnahmen. Wir nutzen deshalb die Notfallstufen des Gemeinsamen Bundesausschusses aus dem Bundes-Klinik-Atlas. Ein Standort mit Notfallstufe 1 bis 3 gilt als Notaufnahme. In Schleswig-Holstein erfüllen heute 27 Standorte dieses Kriterium, nach der Reform werden es 24 sein. Helgoland führt der Bundes-Klinik-Atlas ohne Notfallstufe. Die Insel ist deshalb in beiden Zahlen nicht enthalten.
Die Pläne sind ein Zwischenstand. Die Kliniken können bis zum 31. Oktober 2026 Einwände und Qualitätsnachweise einreichen. Verbindlich weist das Land die Leistungsgruppen Ende Dezember 2026 zu. Der neue Krankenhausplan gilt ab 1. Januar 2027, für einzelne Häuser mit Übergangsfrist.
Zwei Betrachtungsszenarien
Wir haben Schleswig-Holstein in rund 1,6 Millionen 100-Meter-Rasterfelder eingeteilt und für jedes Feld die Fahrzeit zum nächsten Krankenhaus mit Notaufnahme berechnet. Dabei vergleichen wir zwei Szenarien:
- Heute: 27 Standorte laut Bundes-Klinik-Atlas vom 1. September 2026.
- Nach Reform: 24 Standorte ohne Fehmarn, Wyk auf Föhr und Geesthacht.
Kliniken in Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern bis 20 Kilometer hinter der Landesgrenze rechnen wir mit. Sie versorgen das Umland mit. Kliniken in Dänemark enthält der Bundes-Klinik-Atlas nicht.
Die Inseln ohne Straßenanbindung rechnen wir gesondert. Das sind Sylt, Föhr, Amrum, Pellworm, die Halligen und Helgoland. Auf Sylt und Föhr rechnen wir innerhalb der Insel zur eigenen Notaufnahme. Die übrigen Inseln haben schon heute keine. Von dort kommt ein Rettungswagen nicht über die Straße zur nächsten Notaufnahme. Der Weg führt per Schiff oder Hubschrauber. Eine Straßenfahrzeit bildet das nicht ab. Deshalb weisen wir diese Inseln getrennt aus.
Erhebliche regionale Effekte
Im Landesmittel bewegt sich wenig. Der einwohnergewichtete Median der Fahrzeit zur nächsten Notaufnahme liegt heute bei 10,7 Minuten, nach der Reform bei 11,1 Minuten. Der Anteil der Bevölkerung mit mehr als 30 Minuten bis zur nächsten Notaufnahme steigt von 1,7 auf 1,8 Prozent.
Der Effekt konzentriert sich auf zwei Räume und eine Insel:
| Kreis | Verlängerung | Betroffene |
|---|---|---|
| Herzogtum Lauenburg | 2,9 min | 70.000 |
| Ostholstein | 1,4 min | 15.000 |
| Nordfriesland (Föhr) | Notaufnahme der Insel entfällt ab 2028 | 8.300 |
Mittlere Verlängerung nach der Reform, einwohnergewichtet über den ganzen Kreis. „Betroffene" sind Menschen mit mehr als einer halben Minute Verlängerung, auf Föhr alle Einwohnerinnen und Einwohner der Insel.
Landesweit verlängert sich der Weg zur Notaufnahme für rund 85.000 Menschen spürbar. Für rund 38.000 Menschen wächst er um mehr als zehn Minuten, für rund 13.000 Menschen um mehr als 15 Minuten.
- Geesthacht. Für die rund 32.000 Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt liegt die nächste Notaufnahme künftig in Hamburg-Bergedorf. Der Weg wird im Mittel 11 Minuten länger. In Schwarzenbek sind es gut 7 Minuten. Auch dort war Geesthacht bisher das nächste Krankenhaus.
- Fehmarn. Für die rund 13.000 Einwohnerinnen und Einwohner der Insel ist ab 2028 Oldenburg in Holstein das nächste Krankenhaus mit Notaufnahme. Der Weg wird im Mittel um 20 Minuten länger. In der Urlaubszeit sind deutlich mehr Menschen auf der Insel.
- Föhr. Heute erreichen die gut 8.000 Einwohnerinnen und Einwohner die Notaufnahme in Wyk im Mittel in rund 6 Minuten. Ab 2028 gibt es auf der Insel keine Notaufnahme mehr. Das Ministerium hat eine Bereitschaft rund um die Uhr zugesagt. Patientinnen und Patienten werden dort stabilisiert und auf das Festland verlegt. Zusammen mit Amrum, Pellworm, den Halligen und Helgoland leben dann rund 13.000 Menschen auf Inseln ohne eigene Notaufnahme.
Und die Versorgungsstufen?
Die Reform ordnet die Kliniken neu in Basis-, Schwerpunkt- und Maximalversorger. Bei Schlaganfall, Herzinfarkt oder Schwerverletzten zählt für den Rettungsdienst nicht die nächste Klinik, sondern die geeignete. Wir haben deshalb zusätzlich gerechnet, wie weit es nach der Reform zum nächsten Schwerpunkt- oder Maximalversorger ist.
Das Ergebnis ist eindeutig. Künftige Maximalversorger sind das UKSH in Kiel und Lübeck sowie die Kliniken in Heide, Itzehoe, Rendsburg und Neumünster. Genau diese sechs Häuser haben schon heute die höchste Notfallstufe. Am Weg zur höchsten Versorgungsstufe ändert die Reform also nichts. Er ist aber in weiten Teilen des Landes lang. Im Landesmittel sind es 22 Minuten. Für 23 Prozent der Bevölkerung sind es mehr als 30 Minuten, für rund 280.000 Menschen mehr als 45 Minuten. Am weitesten ist es im Norden. Im Kreismittel sind es in Nordfriesland 49 Minuten, in Flensburg 47 Minuten und im Kreis Schleswig-Flensburg 41 Minuten.
Die Versorgungsstufen sind ein Zwischenstand der Regionalkonferenzen. Die Maximalversorger hat das Ministerium benannt. Für sieben Häuser hat es eine Rolle beschrieben, aber keine Versorgungsstufe genannt. Das sind die Sana Kliniken Lübeck, das Malteser Fördeklinikum in Flensburg (Knuthstraße), die Schön Klinik Neustadt, das Krankenhaus Reinbek, die Segeberger Kliniken und die Regio Kliniken in Pinneberg und Elmshorn. Diese sieben Häuser haben wir selbst als Schwerpunktversorger eingeordnet. Die Einordnung ist unsere eigene und kann sich mit den Bescheiden im Dezember ändern. Kliniken außerhalb Schleswig-Holsteins zählen nach ihrer Notfallstufe.


