Die Lagemeldung lautet selten „wir haben zu wenig Wasser". Sie lautet „wir haben zu wenig Wasser pro Minute am richtigen Ort". Pendelverkehr sieht auf dem Hof nach einer Lösung aus. Viele Fahrzeuge fahren, alle wirken sichtbar beschäftigt. Auf dem Papier ist Pendelverkehr zuerst ein Transportproblem. Drei Größen bestimmen es. Entfernung, Tankvolumen und Verbrauch. Wer diese drei Zahlen vor der Alarmierung nicht kennt, disponiert im Blindflug.
Dieser Beitrag klärt, was einfachen von doppeltem Pendelverkehr unterscheidet, wo die Füllstelle selbst zum Engpass wird und wie viel Personal ein Pendelverkehr tatsächlich bindet.
Einfacher und doppelter Pendelverkehr
Beim einfachen Pendelverkehr fahren Löschfahrzeuge das Wasser direkt von der Entnahmestelle zur Einsatzstelle und geben es dort sofort ab. Der Vorteil liegt in der kurzen Vorbereitungszeit. In der Anfangsphase eines Einsatzes lässt sich einfacher Pendelverkehr schnell aufbauen. Der Nachteil ist der hohe Bedarf an geländetauglichen Fahrzeugen, denn jedes Fahrzeug fährt die volle Strecke.
Beim doppelten Pendelverkehr trennen sich die Rollen. Kleine, wendige Fahrzeuge greifen am Feuer an. Große, schwere Tanklöschfahrzeuge bringen als Zubringer das Wasser bis zu einem Wasserübergabepunkt. Dort speisen sie einen Pufferbehälter, aus dem die Angriffsfahrzeuge nachfüllen. Diese Rollenteilung empfiehlt die DFV-Fachempfehlung Nr. 3 „Vegetationsbrand" ausdrücklich.
Der Pufferbehälter ist dabei keine Komfortoption, sondern Pflicht. Ohne Faltbehälter oder mindestens ein weiteres Fahrzeug als Puffer wird aus dem Pendelverkehr eine Warteschlange. Jedes ankommende Fahrzeug blockiert dann die Abgabestelle, bis das vorherige fertig ist.
Die Rahmenempfehlung Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung Hessen fasst Pendelverkehr, lange Schlauchstrecke und Übergabepunkte unter dem Begriff Löschwassermanagement zusammen. Das ist der richtige Rahmen für diesen Beitrag. Pendelverkehr ist ein Baustein davon, kein eigenständiges Konzept.
Als Dauerlösung für hohe Durchsätze taugt Pendelverkehr ohnehin nicht. Mit steigender Entfernung wächst der Fahrzeugbedarf linear, wie die Grafik weiter unten zeigt. In der Praxis setzt man bei etwa sechs Zubringern pro Pendelstrecke eine organisatorische Grenze. Das ist ein Erfahrungswert für Begegnungsverkehr, Einweisung und Funkdisziplin auf einer einspurigen Waldwegstrecke, kein Rechenergebnis. Ab dann trägt die lange Schlauchstrecke, oder eine zweite Pendelstrecke kommt hinzu.
Der Rechenkern in drei Größen
Der Fahrzeugbedarf für einen Pendelverkehr lässt sich vorab berechnen, nicht nur schätzen. Drei Größen tragen die Rechnung.
| Größe | Wie sie sich ergibt |
|---|---|
| Umlaufzeit eines Zubringers | zweimal die Fahrstrecke geteilt durch die Geschwindigkeit, plus Füllzeit, Abgabezeit und Rangierzeit |
| Takt am Übergabepunkt | nutzbares Tankvolumen geteilt durch den Löschwasserbedarf |
| rechnerischer Fahrzeugbedarf | Umlaufzeit geteilt durch den Takt, aufgerundet |
Den vollständigen Rechenweg mit einem durchgerechneten Zahlenbeispiel aus einem echten Wald- und Vegetationsbrandkonzept finden Sie in Löschwasser-Pendelverkehr: der Rechenweg zur Fahrzeuganzahl. Dieser Beitrag baut darauf auf und geht der Frage nach, wo die Rechnung an ihre Grenzen kommt.
Die Füllstelle ist der unterschätzte Engpass
Eine Füllstelle mit einer auf 800 Liter pro Minute gedrosselten Pumpe liefert nicht 800 Liter pro Minute in den Pendelverkehr. Jedes Fahrzeug braucht Rüst- und Kupplungszeit, und diese Zeit zählt mit. Die folgende Modellrechnung zeigt das für vier Tankgrößen bei 3 Kilometern Fahrstrecke, 25 km/h mittlerer Geschwindigkeit auf Waldwegen, 800 Litern pro Minute Füllleistung zuzüglich 2 Minuten Rüstzeit an der Füllstelle, 1.200 Litern pro Minute Abgabeleistung und 1,5 Minuten Rangierzeit am Übergabepunkt.
| Tankvolumen | Füllzeit inkl. Rüsten | max. Durchsatz einer Füllstelle | Umlaufzeit bei 3 km | Leistung je Fahrzeug |
|---|---|---|---|---|
| 2.000 l | 4,5 min | 444 l/min | 22,1 min | 91 l/min |
| 3.000 l | 5,8 min | 522 l/min | 24,1 min | 124 l/min |
| 5.000 l | 8,3 min | 606 l/min | 28,3 min | 177 l/min |
| 8.000 l | 12,0 min | 667 l/min | 34,6 min | 231 l/min |
Zwei Aussagen stecken in dieser Tabelle. Erstens braucht ein Bedarf ab etwa 500 Litern pro Minute meist eine zweite Füllstelle, nicht ein fünftes Fahrzeug. Zweitens leistet ein einzelner Zubringer auf 3 Kilometern je nach Tankgröße nur 90 bis 230 Liter pro Minute. Das ist maximal so viel, wie ein C-Rohr allein verbraucht.
Es gibt eine zweite, härtere Grenze, die von der Fahrstrecke unabhängig ist. Eine Füllstelle fertigt pro Umlaufzeit nur so viele Fahrzeuge ab, wie ihre Füllzeit erlaubt. Jedes weitere Fahrzeug wartet, statt Wasser zu liefern. Die Auslastung der Füllstelle ergibt sich aus dem Bedarf geteilt durch ihren maximalen Durchsatz. Die Entfernung kommt in dieser Rechnung gar nicht vor.
| Tankvolumen | Füllstellen-Auslastung bei 400 l/min Bedarf |
|---|---|
| 2.000 l | 90 % |
| 3.000 l | 77 % |
| 5.000 l | 66 % |
| 8.000 l | 60 % |
Kleine Tanks treiben die Füllstelle an ihre Grenze, nicht die lange Fahrstrecke. Bei 2.000-Liter-Fahrzeugen läuft die Füllstelle in diesem Beispiel bereits bei 90 Prozent ihrer Kapazität. Eine Kupplungsverzögerung oder ein ungleichmäßiger Zulauf reicht dann aus, um sie über die Grenze zu kippen. Bei 8.000-Liter-Fahrzeugen bleibt deutlich mehr Luft.
Aus Grafik (a) unten folgt noch ein zweiter Hebel. Tankvolumen wirkt stärker als Fahrgeschwindigkeit, aber der Unterschied ist moderat, nicht dramatisch. Eine Erhöhung von 25 auf 35 Kilometer pro Stunde spart in diesem Modell je nach Entfernung 17 bis 23 Prozent der Fahrzeuge. Das ist real, bleibt aber der schwächere Hebel gegenüber einem größeren Tankvolumen. Hinzu kommt ein Grund, der in der Rechnung gar nicht auftaucht. Höhere Geschwindigkeit auf unbefestigten Waldwegen erhöht das Unfallrisiko. Deshalb bleibt in der Praxis das Tankvolumen der Hebel der ersten Wahl.
Was die Regelwerke tatsächlich bemessen
Für die Löschwasserversorgung im Wald gibt es kein einzelnes Regelwerk, sondern mehrere, die unterschiedliche Ausschnitte abdecken. Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten ein.
| Regelwerk oder Quelle | Bemisst | Bezugsgröße | Für Waldbrand nutzbar |
|---|---|---|---|
| DVGW W 405 (A) und DFV/AGBF-Fachempfehlung Löschwasserversorgung | Grundschutz in bebauten Gebieten aus Hydranten | l/min über 2 Stunden im Umkreis von 300 m | Nicht direkt. Liefert nur die Leistung der Füllstelle am Waldrand. |
| DIN 14210 und DIN 14230 (Löschwasserteiche, -behälter) | ortsfeste Vorratsmengen | m³ Vorrat | Ja, für die Entnahmestelle. Nicht für den Transport. |
| DFV-Fachempfehlung Nr. 3 „Vegetationsbrand" | Taktik, Fahrzeugrollen, Technik | qualitativ | Ja. Rollenteilung Angriff und Zubringer, Übergabepunkt. |
| DFV-Fachempfehlung Nr. 2 „Sicherheit und Taktik im Waldbrandeinsatz" | Vorbeugung und Einsatzgrundsätze | qualitativ | Ja. Unter anderem Anlegen und Unterhalten von Entnahmestellen und befahrbaren Wegen. |
| Rahmenempfehlung Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung Hessen | Löschwassermanagement, Pendelverkehr, lange Schlauchstrecke, Übergabepunkte | qualitativ mit Schemata | Ja. Derzeit die dichteste deutsche Gesamtdarstellung. |
| Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg, Lernunterlage F4 „Löschwasserversorgung" | Leistungsfähigkeit des Pendelverkehrs, Checkliste | quantitativ (Umlaufzeit, Takt) | Ja. Rechenkern für den eigenen Nachvollzug. |
| Einsatzleiterwiki „Löschwasserversorgung über lange Wegstrecken" | Entscheidung Pendelverkehr oder Schlauchleitung | Entscheidungskriterien | Ja. Auswahllogik für die Einsatzleitung. |
| vfdb-Merkblatt MB 05-04 „Löschwasserzusätze bei Vegetationsbränden" | Reduktion des Löschwasserbedarfs | Zumischrate | Ja, auf der Bedarfsseite der Rechnung. |
Die Lücke bleibt sichtbar. Es gibt bislang kein normatives Regelwerk, das den Löschwasserbedarf einer Vegetationsbrandfläche in Litern pro Minute bemisst, vergleichbar mit W 405 für die Bebauung. Der Bedarf wird über die Zahl der eingesetzten Strahlrohre abgeschätzt, nicht über die Fläche. Genau hier liegt die methodische Baustelle für die kommenden Jahre.
Diese Parameter müssen Sie vor Ort erheben
Eine belastbare Pendelverkehrsplanung braucht Zahlen aus vier Bereichen, plus die Führungsorganisation dahinter.
Wasserseite
- Entfernung von der Füllstelle zum Übergabepunkt, als Fahrstrecke gemessen, nicht als Luftlinie
- Ergiebigkeit und Dauerleistung der Entnahmestelle in Litern pro Minute und Kubikmetern
- Anzahl der Füllplätze je Entnahmestelle, parallel befüllbar oder nicht
- Höhenunterschied zwischen Übergabepunkt und Einsatzstelle (Förderdruck) sowie Steigungen auf der Fahrstrecke (Fahrzeit)
Fahrzeugseite
- nutzbares Tankvolumen je Fahrzeug, nicht das Nennvolumen
- Geländegängigkeit, Wendekreis und zulässiges Gesamtgewicht im Verhältnis zur Wegetragfähigkeit
- Pump-and-Roll-Fähigkeit bei den Angriffsfahrzeugen
- Größe und Position des Befüllanschlusses, Füllzeit inklusive Kuppeln
Wegeseite
Dieser Block wird in der Praxis am häufigsten unterschätzt.
- Wegbreite und Begegnungsverkehr, Abstand der Ausweichstellen
- Notwendigkeit einer Einbahnregelung, gegebenenfalls als Rundkurs statt als Pendel
- Wendemöglichkeit am Übergabepunkt
- Tragfähigkeit nach Regen, besonders auf Sandwegen
- Verfügbarkeit digitaler Waldbrandeinsatzkarten
Bedarfsseite
- Zahl und Art der eingesetzten Strahlrohre
- Riegelstellung, direkter Angriff oder Wässern von Streifen
- Einsatz von Löschwasserzusätzen zur Bedarfssenkung
Personal und Führung
- Zeitpunkt, ab dem ein eigener Einsatzabschnitt Wasserversorgung sinnvoll wird
- Besetzung von Füllstelle, Übergabepunkt, Wegesicherung und Verkehrslenkung
- eigener Funkkanal für den Pendelverkehr
- Ablösung, denn Umlaufzeiten über 30 Minuten bedeuten Stunden im Fahrzeug bei Hitze
Der Personalbedarf, den niemand gern hört
Ein Rechenbeispiel macht das greifbar. Bei 3 Kilometern Entfernung, 400 Litern pro Minute Bedarf und TLF 3000 als Zubringer braucht die Strecke rechnerisch 4 Fahrzeuge. Daraus ergibt sich dieser Personalbedarf.
| Position | Kräfte |
|---|---|
| 4 Zubringer, je 2 Kräfte besetzt | 8 |
| Füllstelle | 3 |
| Übergabepunkt (Puffer, Pumpe, Einweisung) | 3 |
| Wegesicherung und Verkehrslenkung | 2 |
| Abschnittsleitung Wasserversorgung | 1 |
| Summe | rund 17 |
Keine dieser 17 Kräfte steht am Feuer. Die Vergleichsvariante mit einer langen Schlauchstrecke kommt im selben Szenario mit rund 13 Kräften und 2 Pumpen aus, braucht dafür aber etwa 32 Minuten Aufbauzeit und rund 150 B-Schläuche. Genau das ist die Pointe. Pendelverkehr kauft Zeit, und bezahlt mit Personal.
Die genannten Personalansätze sind eine Modellannahme aus einem konkreten Konzept, keine feste Vorschrift. Rechnen Sie sie mit Ihrer eigenen Fahrzeuganzahl und Ihrer eigenen Organisation nach.
Acht typische Fehler beim Pendelverkehr
- Pendelverkehr ohne Pufferbehälter am Übergabepunkt aufbauen
- mit der Luftlinie statt mit der Fahrstrecke rechnen
- nur eine Füllstelle für einen Bedarf über 500 Litern pro Minute vorsehen
- Angriffsfahrzeuge als Zubringer einsetzen, statt die Rollen zu trennen
- ohne eigenen Funkkanal fahren, wodurch die Umlaufzeit durch Wartezeiten steigt
- Begegnungsverkehr auf einspurigen Waldwegen nicht regeln
- Pendelverkehr als Dauerlösung betreiben, obwohl die Schlauchstrecke längst stehen könnte
- Fahrzeuge mit heißer Abgasanlage im trockenen Bestand abstellen
Pendelverkehr überbrückt, die Schlauchstrecke trägt
Pendelverkehr ist rechenbar, und die Rechnung ist unbequem. Sie endet fast immer bei mehr Fahrzeugen als vorhanden oder mehr Personal als gedacht. Die belastbare Antwort ist die Kombination. Pendelverkehr überbrückt die erste Phase, die lange Schlauchstrecke trägt danach die Versorgung.
Trägt Ihre Löschwasserversorgung im Wald, wenn es zählt?
Wir rechnen Pendelverkehr, Füllstellenkapazität und Personalbedarf für Ihr Wald- und Vegetationsbrandkonzept durch, mit jeder Annahme offengelegt.


